Arbeitsrecht

Resturlaub 2026: Verfällt er am Jahresende?

24.06.2026
4 Minuten Lesezeit
Ein nachdenklicher Mann am Schreibtisch liest ein Schreiben mit der Überschrift "Urlaubsverfall", der Monitor zeigt "deadline" und ein durchgestrichenes Palmensymbol; Kalender markiert 31. Dezember, Akte "Resturlaub" und Richterhammer deuten arbeitsrechtli
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Tim Pfaff
Rechtsanwalt
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Das Jahresende nähert sich und viele Arbeitnehmer fragen sich besorgt: Was passiert mit meinem restlichen Urlaub aus dem Jahr 2026? Die Angst, dass hart erarbeitete Urlaubstage am 31. Dezember einfach gestrichen werden, ist verständlicherweise groß. Doch die gute Nachricht vorweg: Ihr Arbeitgeber darf Ihren Resturlaub nicht mehr ohne Weiteres verfallen lassen.

Die rechtliche Grundlage leicht erklärt

Früher war die Regelung im Bundesurlaubsgesetz sehr arbeitgeberfreundlich: Wer seinen Urlaub bis zum Jahresende oder bis zum 31. März des Folgejahres nicht nahm, verlor seinen Anspruch. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) und das Bundesarbeitsgericht (BAG) haben diese Praxis in Grundsatzurteilen jedoch gekippt. Urlaubstage können heute nur noch verfallen, wenn Ihr Arbeitgeber seinen sogenannten Mitwirkungspflichten nachgekommen ist. Das bedeutet konkret, dass Ihr Arbeitgeber Sie im laufenden Jahr klar und rechtzeitig darauf hinweisen muss, wie viel Urlaub Ihnen noch zusteht. Er muss Sie ausdrücklich dazu auffordern, diesen Urlaub zu nehmen, und Sie davor warnen, dass die Tage ansonsten am Jahresende verfallen. Ohne diesen konkreten Hinweis bleibt Ihr Urlaubsanspruch vollständig erhalten und addiert sich zum Urlaubsanspruch des Folgejahres.

Die Fundstelle dazu: BAG, Urteil vom 19.02.2019, Az. 9 AZR 541/15.

Verfall und Verjährung sind zweierlei – das wird häufig vermischt. Auch die dreijährige Verjährungsfrist beginnt erst zu laufen, wenn der Arbeitgeber seine Hinweis- und Mitwirkungsobliegenheiten tatsächlich erfüllt hat. Schweigt er, kann sich Urlaub über mehrere Jahre ansammeln (BAG, Urteil vom 20.12.2022, Az. 9 AZR 245/19).

Eine eigene Frist gilt bei Langzeiterkrankung. Sind Sie ab Beginn des Urlaubsjahres durchgehend arbeitsunfähig, verfällt der gesetzliche Mindesturlaub 15 Monate nach Ende des Urlaubsjahres – also zum 31. März des übernächsten Jahres – und zwar unabhängig davon, ob der Arbeitgeber Sie hingewiesen hat. Bei durchgehender Krankheit könnte er den Urlaub ohnehin nicht gewähren (BAG, Urteil vom 07.08.2012, Az. 9 AZR 353/10).

Die größten Fehler / Wann greift es nicht?

  • Pauschale Hinweise: Ein allgemeiner, abstrakter Hinweis auf den Urlaubsverfall im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung reicht rechtlich nicht aus. Der Hinweis muss immer individuell, transparent und konkret für das jeweilige Urlaubsjahr erfolgen.
  • Versteckte Hinweise: Manchmal verstecken Arbeitgeber den Hinweis klein gedruckt auf der monatlichen Lohnabrechnung. Dieser Hinweis muss dort jedoch deutlich hervorgehoben sein, um überhaupt wirksam zu sein.
  • Urlaub aus freien Stücken nicht genommen: Wenn Sie als Arbeitnehmer trotz rechtzeitiger und korrekter Warnung Ihres Arbeitgebers den Urlaub freiwillig nicht beantragen, verfällt der Anspruch tatsächlich zum Jahresende.
  • Langzeiterkrankung: Wenn Sie das gesamte Urlaubsjahr krankgeschrieben waren und den Urlaub faktisch nicht nehmen konnten, verfällt der gesetzliche Anspruch unabhängig von der Hinweispflicht spätestens 15 Monate nach Ablauf des jeweiligen Urlaubsjahres.

Praxis-Tipps für Arbeitnehmer

  • Prüfen Sie Ihre Unterlagen: Haben Sie in diesem Jahr ein Schreiben oder eine E-Mail erhalten, die Sie konkret auf Ihre restlichen Urlaubstage und deren drohenden Verfall hinweist?
  • Handeln Sie rechtzeitig: Wenn Sie eine korrekte Aufforderung erhalten haben, stellen Sie schnellstmöglich einen Urlaubsantrag, um den Verfall Ihrer freien Tage zu stoppen.
  • Sichern Sie Beweise: Heben Sie alle relevanten Dokumente, E-Mails und abgelehnten Urlaubsanträge auf, falls es später zu einem rechtlichen Streit um die Resturlaubstage kommen sollte.
  • Auszahlung verlangen: Wenn der Urlaub mangels Hinweis nicht verfallen ist und Sie aus dem Unternehmen ausscheiden, können Sie fordern, dass der Arbeitgeber den übrig gebliebenen Urlaub finanziell abgilt – mehr dazu in unserem Beitrag Urlaub bei Kündigung: Resturlaub & Abgeltung.
"Urlaubsansprüche verfallen nicht mehr automatisch zum Jahresende – Ihr Arbeitgeber muss Sie zuvor klar, rechtzeitig und individuell auf den drohenden Verfall hinweisen!"
Rechtsanwalt Tim Pfaff

Ihre nächsten Schritte und häufige Fragen

Ihr Resturlaub ist ein wertvolles Gut und geht dank der aktuellen Rechtsprechung nicht mehr sang- und klanglos verloren, wenn Ihr Arbeitgeber Sie nicht rechtzeitig warnt. Lassen Sie sich nicht vorschnell einreden, Ihr Anspruch sei zum Jahreswechsel automatisch erloschen. Prüfen Sie stattdessen in Ruhe, ob die gesetzliche Hinweispflicht korrekt und individuell erfüllt wurde. Wenn Sie unsicher sind oder Ihr Arbeitgeber sich weigert, den noch zustehenden Urlaub zu gewähren, ist anwaltlicher Rat sinnvoll. Haben Sie Fragen zu diesem Thema? Nehmen Sie jetzt Kontakt auf oder buchen Sie direkt eine kostenlose Erstberatung.

Verfällt mein Resturlaub automatisch am 31. Dezember?

Nein. Der Europäische Gerichtshof und das Bundesarbeitsgericht haben den automatischen Verfall gekippt. Urlaubstage können heute nur noch verfallen, wenn Ihr Arbeitgeber seinen Mitwirkungspflichten nachgekommen ist.

Was muss mein Arbeitgeber konkret tun, damit Urlaub verfällt?

Er muss Sie im laufenden Jahr klar und rechtzeitig darauf hinweisen, wie viel Urlaub Ihnen noch zusteht, Sie ausdrücklich auffordern, diesen Urlaub zu nehmen, und Sie davor warnen, dass die Tage sonst am Jahresende verfallen.

Reicht ein Hinweis im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung?

Nein. Ein allgemeiner, abstrakter Hinweis genügt rechtlich nicht. Der Hinweis muss individuell, transparent und konkret für das jeweilige Urlaubsjahr erfolgen. Steht er klein gedruckt auf der Lohnabrechnung, muss er dort deutlich hervorgehoben sein.

Was passiert mit meinem Urlaub, wenn dieser Hinweis fehlt?

Dann bleibt Ihr Urlaubsanspruch vollständig erhalten und addiert sich zum Urlaubsanspruch des Folgejahres. Haben Sie dagegen trotz rechtzeitiger und korrekter Warnung freiwillig keinen Urlaub beantragt, verfällt der Anspruch tatsächlich zum Jahresende.

Was gilt, wenn ich das ganze Jahr krank war?

Waren Sie das gesamte Urlaubsjahr krankgeschrieben und konnten den Urlaub faktisch nicht nehmen, verfällt der gesetzliche Anspruch unabhängig von der Hinweispflicht spätestens 15 Monate nach Ablauf des jeweiligen Urlaubsjahres.

Kann ich mir nicht genommenen Urlaub auszahlen lassen?

Ist der Urlaub mangels Hinweis nicht verfallen und scheiden Sie aus dem Unternehmen aus, können Sie verlangen, dass der Arbeitgeber den übrig gebliebenen Urlaub finanziell abgilt.