Eine Abmahnung im Briefkasten oder auf dem Schreibtisch löst bei den meisten Arbeitnehmern sofort Unsicherheit aus. Die kurze Antwort vorab: Eine Abmahnung beendet Ihr Arbeitsverhältnis nicht, sie ist aber der erste rechtliche Schritt auf dem Weg zu einer verhaltensbedingten Kündigung – und deshalb ernst zu nehmen. Unterschreiben Sie nichts vorschnell und prüfen Sie in Ruhe, ob die Abmahnung überhaupt wirksam ist. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Rechte Sie haben, wann eine Abmahnung unwirksam ist und wie Sie jetzt richtig reagieren.
Eine Abmahnung ist gesetzlich nicht ausdrücklich geregelt. Sie ergibt sich aus dem im Kündigungsschutzrecht geltenden Ultima-ratio-Prinzip – dem Grundsatz, dass eine Kündigung stets das letzte, mildeste Mittel sein muss. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts muss ein Arbeitgeber deshalb vor einer verhaltensbedingten Kündigung in aller Regel zunächst abmahnen. Damit eine Abmahnung überhaupt wirksam ist, muss sie drei Funktionen erfüllen:
Für den Ausspruch selbst gibt es keine gesetzliche Frist – der Arbeitgeber muss aber zeitnah reagieren, üblicherweise innerhalb von ein bis zwei Wochen nach Bekanntwerden des Vorfalls. Wartet er ohne triftigen Grund deutlich länger, kann das Recht zur Abmahnung nach § 242 BGB verwirken; das Landesarbeitsgericht Köln hat dieses Zusammenspiel aus Zeit- und Umstandsmoment bereits 2003 klargestellt (LAG Köln, Urteil vom 23.09.2003, Az. 13 (12) Sa 1137/02). Auch die Wirkung einer bereits ausgesprochenen Abmahnung hält nicht ewig: Nach etwa zwei bis drei Jahren verblasst ihre Warnfunktion in der Regel, sodass sie eine spätere Kündigung nicht mehr trägt. Eine besondere Form ist für die Abmahnung nicht vorgeschrieben, aus Beweisgründen sprechen Arbeitgeber sie in der Praxis aber fast immer schriftlich aus.
Nicht jede Abmahnung, die im Briefkasten landet, hält einer rechtlichen Prüfung stand. Diese Fehler machen Arbeitgeber besonders häufig:
Bei besonders schweren Pflichtverletzungen, etwa Diebstahl oder tätlichen Angriffen, kann der Arbeitgeber ausnahmsweise ganz auf eine Abmahnung verzichten und direkt fristlos kündigen – wann das zulässig ist, lesen Sie in unserem Beitrag Fristlose Kündigung: Wirksamkeit & wie Sie sich wehren.
Eine feste gesetzliche Zahl gibt es nicht. Bei leichten Verstößen sind in der Praxis meist zwei bis drei einschlägige Abmahnungen üblich, bei schweren Pflichtverletzungen kann bereits die erste Abmahnung oder sogar eine fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung folgen.
Grundsätzlich jede Verletzung arbeitsvertraglicher Haupt- oder Nebenpflichten – etwa unentschuldigtes Fehlen, wiederholtes Zuspätkommen, Schlechtleistung oder Verstöße gegen betriebliche Anweisungen.
Nein. Sie müssen lediglich den Empfang bestätigen, wenn Ihr Arbeitgeber das verlangt – niemals aber die inhaltliche Richtigkeit der erhobenen Vorwürfe.
Eine gesetzliche Frist gibt es nicht, eine zeitnahe schriftliche Gegendarstellung ist aber sinnvoll. Eine Klage auf Entfernung aus der Personalakte unterliegt der allgemeinen dreijährigen Verjährungsfrist.
Nein. Ohne die ausdrückliche Androhung arbeitsrechtlicher Konsequenzen für den Wiederholungsfall fehlt der Abmahnung die Warnfunktion – sie kann dann eine spätere Kündigung nicht rechtfertigen.
Fazit: Eine Abmahnung ist ernst zu nehmen, aber kein Grund zur Panik – viele Abmahnungen sind formal fehlerhaft oder inhaltlich angreifbar. Ein Anwalt für Arbeitsrecht kann innerhalb kurzer Zeit einschätzen, ob Rüge-, Warn- und Aufforderungsfunktion tatsächlich erfüllt sind. Für Mandanten im Ostalbkreis ist bei Streitigkeiten die Kammer Aalen des Arbeitsgerichts Stuttgart zuständig; über unsere Zweigstelle in Augsburg beraten wir zudem Beschäftigte aus dem schwäbischen Industrieraum. Haben Sie Fragen zu diesem Thema? Nehmen Sie jetzt Kontakt auf oder buchen Sie direkt eine kostenlose Erstberatung.